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Schweizer Initiative für Beschäftigung und für ländliche Kleinst- und Kleinunternehmen
324 neue Arbeitsplätze im postrevolutionären Tunesien:
Pilotphase des Projekts I-SEMER

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Tunesisch-schweizerischer Wettbewerb: Die fünf ersten Preisträgerinnen und Preisträger in Kasserine

Mit dem Projekt I-SEMER sollen über einen Zeitraum von drei Jahren 10'000 Arbeitsplätze für junge Menschen in vier benachteiligten Bezirken Tunesiens geschaffen werden. Das Konzept wird seit Juli 2011 umgesetzt, und die ersten 45 Unternehmerinnen und Unternehmer haben eine Unterstützung erhalten, mit der sie potenziell 324 Arbeitsplätze schaffen können. Dieses Schweizer Projekt, das in Zusammenarbeit mit tunesischen Partnern realisiert wird, stellt die erste konkrete Unterstützung in diesen benachteiligten Gebieten des postrevolutionären Tunesiens dar.

Grosse regionale Unterschiede, fehlende Zukunftsperspektiven und die hohe Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen gehören zu den Hauptauslösern der Aufstände in Tunesien. Das Projekt trägt diesem Hintergrund direkt Rechnung: Es soll mit Wirtschaftsförderung und der Schaffung von Arbeitsplätzen in den benachteiligten Bezirken im westlichen und südwestlichen Teil des Landes (Kasserine, Sidi Bouzid, Le Kef und Médenine) zu einer ausgewogenen regionalen Entwicklung beitragen.

Ziel dieses ehrgeizigen Projekts ist es, innerhalb von drei Jahren rund 10'000 Arbeitsplätze zu schaffen. Es umfasst drei aufeinander abgestimmte Module, von denen jedes auf ein spezifisches Bedürfnis des Landes abgestimmt ist:

Unterstützung von runden Tischen
Es soll eine tripartite Gesprächsplattform angeboten werden, auf der sich lokale Behörden, Privatwirtschaft und Verbände treffen können. Ziel ist es, zur Belebung der Debatte unter den Wirtschaftsakteuren der Region beizutragen und einen konstruktiven Austausch zu fördern. Dabei sollen die Faktoren identifiziert werden, die die regionale Entwicklung behindern, und Aktivitäten zur Verbesserung des Geschäftsklimas lanciert werden.

Die ersten runden Tische entstanden in Kasserine und Sidi Bouzid. Die verschiedenen Akteure lernen sich dabei kennen und kommen miteinander ins Gespräch. Alle äussern sich sehr positiv zu diesem Austausch. Die runden Tische tragen nicht nur zur Verbesserung des lokalen Investitionsklimas bei, sondern dienen auch als «Labors» für demokratische Entscheidungsprozesse und Dezentralisierung.

Förderung von Kleinstunternehmen durch Betreuung und Mikrokredite
Dieses Teilprojekt wird in Zusammenarbeit mit der erfahrenen Partnerorganisation ENDA durchgeführt und richtet sich an arbeitslose junge Frauen und Männer. Sie sollen bei der Gründung eines Kleinstunternehmens angemessen begleitet werden und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Finanzprodukte erhalten. ENDA verfügt über ein weit gespanntes Netz von Vertreterinnen und Vertretern sowie über ein grosses Kundenportefeuille in abgelegenen Regionen Tunesiens. Damit ist eine optimale Ab­deckung des Gebiets sichergestellt.

Förderung des Unternehmertums und der Gründung von kleinen und mittleren Unternehmen im ländlichen Raum
Mit einem Wettbewerb, der gemeinsam mit der tunesischen Banque de Financement des Petites et Moyennes Entreprises (BFPME) durchgeführt wird, sollen die Kapazitäten von Jung­unternehmern gestärkt werden. Zudem sollen die Jugendlichen bei der Gründung ihres Unternehmens in den vom Projekt anvisierten benachteiligten Regionen unterstützt werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Jugendlichen, Frauen und Hochschulabsolventen sowie auf der Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze und der Innovationskraft der Projekte.

Die Preisträgerinnen und Preisträger erhalten eine auf sie abgestimmte Betreuung, um die Chancen ihres Projekts zu erhöhen. Zudem können sie beim tunesisch-schweizerischen Fonds einen Finanzbeitrag beantragen. Die ersten Wettbewerbe haben gezeigt, dass die Kombination von Betreuung und finanzieller Unterstützung einem echten Bedürfnis entspricht.

Zur Unterstützung potenzieller Unternehmerinnen und Unternehmer bei der Ausarbeitung ihres Geschäftsprojekts werden Unternehmerworkshops angeboten, in denen sich Jungunternehmer mit den verschiedenen Aspekten einer Unternehmensgründung vertraut machen können (z.B. Erstellung eines Businessplans).

Bisherige Resultate aus konkreter Perspektive der Begünstigten
Das Projektkonzept wird seit Juli 2011 umgesetzt: Die ersten 45 Unternehmerinnen und Unternehmer haben eine Unterstützung erhalten, mit der sie potenziell 324 Arbeitsplätze schaffen können. Darüber hinaus haben in zwei Bezirken die ersten runden Tische stattgefunden. Sie haben gezeigt, wie wichtig die Integration auf Bezirksebene ist, um die lokale Dynamik zu stärken und das Erlernen demokratischer Entscheidungsprozesse in einem konkreten Rahmen zu fördern.

In der nächsten Phase wird das Projekt auf die vier anvisierten Bezirke ausgedehnt, um die für die gesamte Projektdauer angestrebten 10 000 Arbeitsplätze zu schaffen.

Strategische Bedeutung des Schweizer Engagements
Die Schweiz hat auf die politischen Umwälzungen in Nordafrika rasch reagiert und sich zu konkreten Unterstützungsmassnahmen verpflichtet. Die sehr kurzfristige Ausarbeitung des Programms I‑SEMER entspricht diesen Zielen. Das Programm I‑SEMER war die erste konkrete Unterstützung, die von einem bilateralen Partner und Mittelgeber in benachteiligten Regionen im Landesinnern Tunesiens initiiert wurde.

Zudem beschränkt sich die Schweiz nicht auf die Hauptstadt Tunis, wo sie vor Kurzem ein Programmbüro eingerichtet hat, sondern sie hat in Kasserine eine regionale Filiale eröffnet. Abgesehen von der Symbolkraft dieser Geste haben die ersten Monate der Umsetzung gezeigt, wie wichtig diese Präsenz vor Ort ist, wenn man ein Vertrauensverhältnis zu den Partnern aufbauen und deren Bedürfnissen gerecht werden will.

Das Projekt in Kürze

Beteiligte Bundesämter
Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)


Thema
Schaffung von Arbeitsplätzen und Förderung von Unternehmen


Land
Tunesien/Nordafrika 


Partner 

  • BFPME (Bank für die Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen)
  • ENDA Inter-Arabe (NGO im Finanzbereich)
  • Verschiedene Regierungsbehörden, Organisationen des Privatsektors und Vereinigungen


Ausgangslage/ Hintergrundinformation

Das wirtschaftliche Gefälle zwischen den einzelnen Regionen Tunesiens, die mangelnden Perspektiven und die hohe Jugendarbeitslosigkeit waren Auslöser für den arabischen Frühling 2011



Ziel des Projektes

Schaffung von 10'000 Arbeitsplätzen für junge Männer und Frauen in benachteiligten Regionen über drei Teilprojekte:
  1. Durchführung von runden Tischen zur Verbesserung des Geschäftsklimas auf lokaler Ebene
  2. Unterstützung von Jugendlichen bei der Gründung von Kleinstunternehmen
  3. Gründung von kleinen und mittleren Unternehmen im ländlichen Raum


Zielgruppe
Arbeitslose junge Menschen, insbesondere Hochschulabsolventen und Frauen, in den Bezirken Kasserine, Sidi Bouzid, Le Kef und Médenine


Finanzieller Rahmen
DEZA:
1‘170‘000 CHF für die Pilotphase
6 ‘053‘000 CHF für die gesamte Projektdauer


Laufzeit
Pilotphase:
1. Juli–31. November 2011
Gesamtprojekt:
1. Juli 2011–31. Dezember 2012, Begleitung und Evaluation bis 31.Dezember 2015 

Weiterführende Informationen und Dokumente