
DEZA und Nahrungssicherheit
Anfang 2008 stiegen die Preise für Grundnahrungsmittel so drastisch, dass die Nahrungssicherheit der Armen akut gefährdet war, was Unruhen in über 40 Ländern auslöste. Die DEZA will mit Notmassnahmen
und langfristigen Programmen auf bilateraler und multilateraler Ebene die am stärksten Betroffenen unterstützen. Zur den langfristigen Programmen der DEZA gehört die Förderung von Landwirtschaft und
Agrarforschung in Entwicklungsländern sowie bei internationalen Handelsgesprächen das Eintreten für deren Bedürfnisse. Die DEZA unterstützt die Bemühungen der Schweiz, die Initiativen der
UNO-Organisationen und der internationalen Finanzinstitutionen zur Bewältigung der Krise zu stärken. Die DEZA stellt für die bilaterale und multilaterale Entwicklungszusammenarbeit im Bereich
Nahrungssicherheit pro Jahr CHF 100 Mio. bereit. Durch die neue Fokussierung auf die Nahrungssicherheit als globales Thema werden künftig zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt.
Nahrungssicherheit in der
Region Mekong
Die Region Mekong (Vietnam, Laos, Kambodscha und Thailand) ist eine Reiskammer von regionaler und globaler Bedeutung. Wie in anderen Weltregionen sind die
Nahrungsmittelpreise jüngst in die Höhe geschnellt, was für die Haushalte eine enorme Belastung bedeutet. Reis ist besonders wichtig, weil er mindestens einen Drittel der täglichen Kalorienzufuhr
liefert. Nahrungsmittelengpässe und Unterernährung kommen vor allem in abgelegenen, armen Gebieten vor, wo oft ethnische Minderheiten leben. So sind bis zu zwei Dritteln der Haushalte auf dem Land in
Laos in Sachen Nahrungssicherheit stark gefährdet, und chronische Unterernährung ist bei Kindern unter fünf Jahren weit verbreitet. Es besteht ein grosses Risiko, dass Menschen, die vor dieser Krise
gerade der Armutsfalle entkommen sind, aufgrund fehlender Sicherheitsnetze wieder hineingeraten.
Es gibt zudem Hinweise darauf, dass die regionalen Nahrungsvorräte schmelzen. Einige Regierungen haben zur Sicherung der eigenen Versorgung begonnen, Reisexporte vorübergehend oder langfristig zu
beschränken oder zu verbieten. Trotz derzeit guter Ernten dürfte Reis aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage teuer bleiben. Einerseits bieten hohe Nahrungsmittelpreise Kleinproduzenten die Chance
höherer Renditen und eines besseren Marktzugangs. Andererseits steigen jedoch die Produktionskosten infolge teurerer Input-Faktoren.
Rekation der DEZA in der Region
Mekong
Die DEZA beschreitet zur Verbesserung der Nahrungssicherheit in der Region Mekong mehrere Wege: Mit verschiedenen Projekten wird die Landwirtschafts- und Tierhaltung erweitert und die Produktivität
erhöht. So werden Agrarforschung, massgeschneiderte und ressourceneffiziente Produktionstechnologien und lokal angepasste Beratungssysteme kombiniert, damit die Innovationen bis zu den armen
Kleinbauern gelangen. Das LEAP (Laos Extension for Agriculture Project) und das Laos-IRRI-Projekt (siehe Kästen) sind Beispiele für Erfolge, die dank mehr Know-how, Schulungen und Kapazitätsbildung
erzielt wurden. In den Projektgebieten haben die Bauern ihre eigenen «Dorfberater» bestimmt, die ihr Wissen und ihre Erfahrung an die Dorfbevölkerung weitergeben.
Projekte mit den Schwerpunkten ländliche Lebensgrundlagen, Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen und Einkommensgenerierung haben ebenfalls einen Einfluss auf die Nahrungssicherheit. Produktive
natürliche Ressourcen sind unabdingbar für ertragreiche Ernten, und das Einkommen aus der zusätzlichen Produktion von landwirtschaftlichen oder aus anderen Tätigkeiten trägt entscheidend zum
Überwinden der Nahrungsmittelknappheit bei. Das Projekt SADU (Förderung landwirtschaftlicher Kleinunternehmen im Hochland der DVR Laos und Vietnams) ist ein Beispiel einer nachhaltigen Initiative für
Agrarbetriebe von Hochlandgemeinschaften. Einkommens- und Beschäftigungschancen werden durch die Diversifizierung und den Mehrwert der lokalen natürlichen Ressourcen geschaffen.
Die DEZA arbeitet eng mit regionalen
Akteuren wie dem Internationalen Reisforschungsinstitut IRRI oder dem Asiatischen Gemüseforschungszentrum (AVRDC) zusammen. Dank dieser Projekte wurden ertragreichere Reis- und Gemüsesorten
entwickelt, die resistenter gegen Schädlinge, Krankheiten und Dürren sind. Neue Technologien sparen Zeit und verbessern die Arbeitsproduktivität.
Die DEZA unterstützt seit 1997 das IRRC (Konsortium für Forschung an bewässertem Reis), eine Partnerschaft zwischen dem IRRI und 11 Reis anbauenden Ländern (Bangladesch, Kambodscha, China, Indien,
Indonesien, DVR Laos, Myanmar, Sri Lanka, Vietnam, Malaysia, Philippinen). Diese Partnerschaft identifiziert und löst Probleme bei der Produktion von künstlich bewässertem Reis, indem neue Methoden
zum Reisanbau und zur Reisbewirtschaftung entwickelt und auf den Feldern getestet werden. Wasser- und zeitsparende Methoden wie das abwechselnde Bewässern und Trocknen oder die Direktaussaat von Reis
sind konkrete Ergebnisse, die Tausende von Bauern nutzen. Erfolge bei Nachernte-Methoden, standortspezifischem Nährstoffmanagement und ökologischem Nagetiermanagement bewirkten eine neue nationale
Strategie, die Millionen von Bauern in Asien betrifft.
Es sind weiterhin Anstrengungen nötig, um die Forschungsergebnisse zum Nutzen von Kleinbauernfamilien umzusetzen. Die Schweiz will zusammen mit ihren Partnern die besten Methoden in der Region
verbreiten – im Wissen, dass sich Lösungen am ehesten durchsetzen, die den lokalen Umständen Rechnung tragen.
- Laos: Produktivere Landwirtschaft
Laos ist ein ländliches, sehr gebirgiges Land, wo die Bauern kaum Zugang zu neuen Anbaumethoden, -instrumenten und -rohstoffen (Saatgut, Dünger) haben. Eine Optimierung der Landwirtschaft und neue Technologien sind für die Armutsbekämpfung auf dem Land zentral.
Das Projekt LEAP (Landwirtschaftsberatung in Laos) fördert die Kapazitätsbildung im Beratungssystem des Landwirtschaftsministeriums. Es beinhaltet dezentrale, partizipative, pluralistische und nachhaltige Methoden der Landwirtschaftsberatung, die Bauern und Bäuerinnen erreichen. Mit dem neuen Ansatz konnten diese die Reisproduktion um 46%, die Schweineproduktion um 143% und die Hühnerproduktion um 262% steigern. Die technische Unterstützung wird von Helvetas geleistet.
- «Plan Wahlen» von Laos: Partnerschaft mit dem Landwirtschaftsministerium zur Expansion der Reisproduktion
1939 zählte die Schweiz 4,3 Mio. Personen, mit Ausbruch des 2. Weltkriegs wurde eine Kampagne für Nahrungssicherheit gestartet. Öffentliche Parks wurden in Landwirtschaftsland umgewandelt, die Getreideernte erreichte 660'000 t/Jahr.
1990 wohnten in Laos 4,3 Mio. Menschen, und das Land produzierte nicht genügend Reis, um diese zu ernähren. Durch die Partnerschaft mit der Schweiz (über das Internationale Reisforschungsinstitut) konnte die Produktion um 650'000 t/Jahr oder fast 70% erweitert werden, vergleichbar mit dem Erfolg des schweizerischen «Plan Wahlen»! Da sich die Bevölkerung von Laos bis 2020 verdoppeln dürfte, muss dies auch bei der Reisproduktion der Fall sein – ein Ziel, das mit dieser effizienten Partnerschaft in Reichweite scheint.
Die DEZA unterstützt auch ein Programm zum Schutz der genetischen Vielfalt von Reis in Laos. Über 8000 traditionelle laotische Reissorten werden aufbewahrt und dienen als genetischer Pool zur Entwicklung moderner, ertragreicher Sorten und einer Anpassung an neue ökologische Verhältnisse weltweit.
- Gemüse gegen Unterernährung und als Einkommensquelle
Die DEZA und das asiatische Gemüseforschungszentrum AVRDC versuchen gemeinsam, die Ernährungslage und das Einkommen armer Bauernfamilien in Ländern wie Kambodscha, China, DVR Laos und Vietnam zu verbessern.
Die Partnerschaft setzt den Akzent bei der Optimierung von Forschung und Beratung – eine Voraussetzung dafür, dass effizientere Produktionstechniken bis zu den Bauernfamilien gelangen. Wichtige Ergebnisse:
Bauern, die vom AVRDC empfohlene Methoden zum Gemüseanbau nutzten, erzielten mehr Einkommen (über 50% mehr z.B. in Nordvietnam), vorwiegend aufgrund höherer Erträge, weniger Investitionen (z.B. mit biologischer Unkraut- und Schädlingsbekämpfung) und besserer Preise dank guter Qualität und vielfältigerem Gemüseanbau. Durch den intensiveren Gemüseanbau konnten die Haushalte auch mehr konsumieren, was Gesundheit und Nahrungsmittelausgaben positiv beeinflusste. Mit dem gesparten Geld konnten unter anderem Schulden oder eine Schule für die Kinder bezahlt werden. Die ermutigenden Erfolge führten dazu, dass in den Projektgebieten der teilnehmenden Länder mehr Bauern Gemüse anbauen.