
- Eine Welt
Nur in der Schweiz bestellbar
Nr. 1/2013: Nordafrika / Honduras / Äthiopien / Somalia / Telemedizin Mongolei / Kulturprogramm Zentralasien / Wasser
Download (PDF, 5818 KB) : [de] [fr] [it]
Bestellen - Multilaterale Akzente / März 2013
Arabischer Frühling: Bewährungsprobe für die multilaterale Zusammenarbeit
Download (PDF, 2232 KB) : [de] [fr]
Nordafrika
Schweizer Unterstützung in Nordafrika
Anfang 2011 reagierte die Schweiz rasch auf die politischen Umwälzungen in Nordafrika. Sie hat grosse sicherheits- und migrationspolitische sowie auch wirtschaftliche Interessen an stabilen demokratischen Verhältnissen in dieser Region und will darum den Transitionsprozess aktiv begleiten und unterstützen. Am 11. März 2011 beauftragte der Bundesrat fünf Bundesstellen in drei Departementen, ihre Aktivitäten zu verstärken und neue, konkrete Unterstützungsmassnahmen rasch aufzubauen. Dabei gehen die beteiligten Bundesstellen koordiniert, kohärent und komplementär vor.
Am Unterstützungsprogramm für Nordafrika beteiligen sich das EJPD (Bundesamt für Migration BFM), das EVD (Staatssekretariat für Wirtschaft SECO) und das EDA (Politische Direktion PD, Direktion für Völkerrecht DV und Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA). Thematisch konzentriert sich das Schweizer Engagement auf drei Schlüsselbereiche:
- Unterstützung einer demokratischen Transition und Stärkung der Menschenrechte
- Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung und Schaffung von Arbeitsplätzen
- Migrationsfragen und Schutz von besonders gefährdeten Personen.
Für die Umsetzung des Bundesratsbeschlusses wurden insgesamt Mittel in der Höhe von rund CHF 60 Millionen jährlich reserviert: rund 8 Mio. für demokratische Transition, rund 44 Mio. für wirtschaftliche Entwicklung und rund 8 Mio. für Migration und Schutz.
Seit dem Bundesratsentscheid wurden zahlreiche Projekte aufgegleist. Folgende Aspekte des Programmaufbaus sind besonders erwähnenswert:
- Humanitäre Not- und Überlebenshilfe: Als Folge der kriegerischen Auseinandersetzungen in Libyen haben fast 1 Million Menschen die Grenzen zu Tunesien und Ägypten überschritten. Die humanitäre Hilfe des Bundes war in den Tagen der Krise mit Soforteinsatz-Teams vor Ort und hat den Menschen in Not Nahrungsmittel und Hygieneartikel verteilt, in Benghazi wurden Projekte im medizinischen Bereich umgesetzt. Ausserdem unterstützten BFM und DEZA die Heimreise von gestrandeten Gastarbeitern.
- Rasches Handeln beim Blockieren von Vermögenswerten ehemaliger Machthaber: Als erstes Land weltweit hat die Schweiz Vermögenswerte politisch exponierter Personen aus Tunesien, Ägypten und Libyen gesperrt. Seither unterstützt die Schweiz die Behörden der betroffenen Staaten mit dem Ziel, Gelder, deren unrechtmässige Herkunft in einem juristischen Verfahren festgestellt worden ist, möglichst rasch zurückzuerstatten.
- Breitgefächerte Unterstützung für die ersten freien Wahlen in Tunesien: Das EDA hat mit einer breiten Palette an Instrumenten die Durchführung der Wahlen vom 23. Oktober unterstützt. So finanzierte die Schweiz beispielsweise die Herstellung von Wahlurnen, und Schweizer Experten beteiligten sich an internationalen Wahlbeobachtungsmissionen.
- Schweizer Expertise gefragt: Die Reform des Sicherheitssektors ist entscheidend für die Wiederherstellung des öffentlichen Vertrauens in den Staat und damit für eine erfolgreiche Transition. Die Schweiz hat in Zusammenarbeit mit dem Geneva Centre for the Democratic Control of Armed Forces (DCAF) bereits mehrere konkrete Projekte in Tunesien und Marokko umgesetzt, um die demokratische Umgestaltung der Sicherheitskräfte neutral und professionell zu begleiten.
- Grüne Arbeitsplätze schaffen: In Tunesien werden zwei Kläranlagen in der Provinz Kasserine gebaut, wovon 40‘000 Personen in zwei Städten profitieren werden. Zudem wird die erneuerbare Energie gefördert. Ein Projekt zielt darauf ab, 200 Tunesier an der Installation und Instandhaltung von Solaranlagen auszubilden. Mit einem weiteren Projekt sollen 75 Betriebe dazu gebracht werden, nachhaltiger zu produzieren.
- Mediation in der Wirtschaft: Rechtsstreitigkeiten zwischen Unternehmen sind langwierig, kostspielig und verschleissen die knappen Ressourcen. Deshalb unterstützt die Schweiz in Ägypten ein Projekt, das die Mediation durch eine Drittpartei als Alternative zum Rechtsverfahren zwischen Unternehmen fördert. Gleichzeitig soll Ägypten zu einem regionalen Zentrum für die Ausbildung in Wirtschaftsmediation werden.
- 10‘000 Arbeitsplätze in Ägypten und Tunesien: Die Wirtschaft Nordafrikas in Schwung zu bringen und Arbeitsplätze zu schaffen, ist eine wichtige und dringende Aufgabe. In Ägypten unterstützt die Schweiz beispielsweise ein Projekt in der Fischzucht, mit dem Ziel, 10‘000 Arbeitsplätze zu schaffen. In Tunesien unterstützt die Schweiz insbesondere Jugendliche und Frauen aus benachteiligten Regionen, welche mit neuen Kleinunternehmen bis zu 10‘000 Arbeitsplätze schaffen wollen.
- Zielgerichtete und umfassende Zusammenarbeit im Migrationsbereich: Die Schweiz verfolgt einen gesamtheitlichen Ansatz im Migrationsbereich, was von den Partnerländern sehr geschätzt wird. Mit Tunesien konnte 11. Juni 2012 eine Migrationspartnerschaft lanciert und drei Abkommen unterschrieben werden, u.a. bezüglich der Rückführung abgelehnter Asylsuchender sowie über den Austausch junger Berufsleute. Um diese Partnerschaft zu gestalten und zu unterhalten, wird ein regelmässiger Migrationsdialog geführt werden.
- Departementsübergreifende operationelle Strukturen vor Ort: Die enge Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Bundesstellen drückt sich – neben operationellen Synergien – auch im Aufbau von gemeinsamen Schweizer Programmbüros in Ägypten und Tunesien aus.
Die Schweiz hat sich als verlässlicher und engagierter Partner in Nordafrika positioniert. Sie lässt ihren Ankündigungen konkrete Taten folgen und hat sich mit ihrem raschen Vorgehen, dem gesamtheitlichen Migrationsansatz und z.B. der Präsenz im tunesischen Hinterland, wo die Jasmin-Revolution ihren Anfang nahm und die Bevölkerung besonders benachteiligt ist, positiv von anderen Geldgebern abgehoben.
Dies erlaubt, die erklärten Ziele des Bundesrats für das neue Nordafrika-Programm zu erreichen: Einerseits Solidarität mit den Bevölkerungen der entsprechenden Länder zu leben und andererseits nationale Interessen in Bezug auf Sicherheit, Energiepolitik und insbesondere Migrationspolitik zu wahren.
Die politische und gesellschaftliche Transformation der Region ist ein längerfristiger Prozess mit zahlreichen Herausforderungen und noch ungewissem Ausgang. Die Schweiz verfolgt die weiteren Entwicklungen eng und will ihren Beitrag an eine möglichst gute Ausgangslage für eine längerfristig erfolgreiche Transition leisten.
|
Weiterführende Informationen und Dokumente Hier finden Sie weiterführende Publikationen, Links, Dokumente und Artikel zur Schweizer Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe in dieser Region. |
|