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Über Treppen und Korridore
voller Bauschutt führt der Gang ins Untergeschoss. Im fensterlosen Hinterzimmer sitzen gut zwei Dutzend Männer über Bildschirme gebückt. Sie haben den 20-tägigen Einführungskurs in die elektronische
Datenverarbeitung hinter sich und sind jetzt dabei, ihre Kenntnisse zu vertiefen. Schauplatz: afghanisches Innenministerium in Kabul.
Die Kursbesucher gehören zu jenen 262 Polizisten, die im ganzen Land am Computer ausgebildet werden, um die Lohnabrechnung ihrer Kollegen elektronisch abzuwickeln. 32 der 34 afghanischen Provinzen haben das sogenannte „Electronic Payroll System“ mittlerweile eingeführt. Das Projekt ist Teil von LOTFA (siehe Kasten) und wird von der DEZA finanziert. Bisher erfasste das Innenministerium Lohnzahlungen und persönliche Daten der Mitarbeitenden in einem für westliche Begriffe archaischen System: mit handgeschriebenen Listen, ein unübersichtliches, bürokratisches und – korruptionsanfälliges Unterfangen. „Korruption ist in Afghanistan ein Riesenproblem, die staatlichen Strukturen sind noch schwach. Das von uns finanzierte Computersystem fördert die Transparenz im Finanzbereich des Innenministeriums,“ erklärt Christoph Graf, Chef der Sektion Südasien. Zudem leiste die DEZA mit ihrer Beteiligung an LOTFA einen Beitrag zur Abstimmung der Geberländer: „Die Schweiz liefert zum Treuhandfonds LOTFA einen kleinen aber wichtigen Baustein. Mit der elektronischen Datenverarbeitung und dem Fokus für frauenspezifische Anliegen finanziert sie wichtige Projekte im Wiederaufbau der Polizei. Zudem verschwindet der Schweizer Beitrag nicht einfach im grossen Topf mit der Aufschrift „Polizeireform“. Er bleibt gut sicht- und identifizierbar,“ meint Christoph Graf.
Das Computersystem für die Lohnabrechnung der Polizisten ist als Modell angelegt. Es kann auf andere Ministerien übertragen werden – denkbar ist das Bildungsministerium. Dieses ist mit Schulen und Lehrkräften mindestens so stark im ganzen Land verankert wie das Innenministerium mit seinen Polizeistationen.
12.04.2007 - Artikel
Afghanistan: DEZA unterstützt den Wiederaufbau der Polizei
Über 60 000 sind rekrutiert: Polizisten, die in ihrem Land für Ruhe und Ordnung sorgen sollen. Kein einfaches Unterfangen in einem politisch heiklen, instabilen Umfeld. Die DEZA leistet ihren Beitrag mit einem Computersystem, das den Polizisten ihren Lohn transparent und zuverlässig übermittelt – ein technologischer Quantensprung.
Über Treppen und Korridore
voller Bauschutt führt der Gang ins Untergeschoss. Im fensterlosen Hinterzimmer sitzen gut zwei Dutzend Männer über Bildschirme gebückt. Sie haben den 20-tägigen Einführungskurs in die elektronische
Datenverarbeitung hinter sich und sind jetzt dabei, ihre Kenntnisse zu vertiefen. Schauplatz: afghanisches Innenministerium in Kabul.Die Kursbesucher gehören zu jenen 262 Polizisten, die im ganzen Land am Computer ausgebildet werden, um die Lohnabrechnung ihrer Kollegen elektronisch abzuwickeln. 32 der 34 afghanischen Provinzen haben das sogenannte „Electronic Payroll System“ mittlerweile eingeführt. Das Projekt ist Teil von LOTFA (siehe Kasten) und wird von der DEZA finanziert. Bisher erfasste das Innenministerium Lohnzahlungen und persönliche Daten der Mitarbeitenden in einem für westliche Begriffe archaischen System: mit handgeschriebenen Listen, ein unübersichtliches, bürokratisches und – korruptionsanfälliges Unterfangen. „Korruption ist in Afghanistan ein Riesenproblem, die staatlichen Strukturen sind noch schwach. Das von uns finanzierte Computersystem fördert die Transparenz im Finanzbereich des Innenministeriums,“ erklärt Christoph Graf, Chef der Sektion Südasien. Zudem leiste die DEZA mit ihrer Beteiligung an LOTFA einen Beitrag zur Abstimmung der Geberländer: „Die Schweiz liefert zum Treuhandfonds LOTFA einen kleinen aber wichtigen Baustein. Mit der elektronischen Datenverarbeitung und dem Fokus für frauenspezifische Anliegen finanziert sie wichtige Projekte im Wiederaufbau der Polizei. Zudem verschwindet der Schweizer Beitrag nicht einfach im grossen Topf mit der Aufschrift „Polizeireform“. Er bleibt gut sicht- und identifizierbar,“ meint Christoph Graf.
Das Computersystem für die Lohnabrechnung der Polizisten ist als Modell angelegt. Es kann auf andere Ministerien übertragen werden – denkbar ist das Bildungsministerium. Dieses ist mit Schulen und Lehrkräften mindestens so stark im ganzen Land verankert wie das Innenministerium mit seinen Polizeistationen.
| LOTFA (Law and Order Trust Fund ) ist der Treuhandfonds für Recht und Ordnung für Afghanistan, der von UNDP – dem Entwicklungsprogramm der UNO - in Zusammenarbeit mit dem afghanischen Innenministerium verwaltet wird. Die Regierung räumt dem Wiederaufbau eines professionellen Polizeikorps hohe Priorität ein. Wichtigste Geber sind die USA und die EU. Die DEZA finanziert innerhalb des LOTFA das Projekt zur elektronischen Gehaltszahlung der Polizei und unterstützt frauenspezifische Anliegen wie die Ausbildung von Polizistinnen und die Einrichtung von Meldestellen für weibliche Gewaltopfer. |
Weiterführende Informationen und Dokumente
- Afghanistan
Die DEZA unterstützt die afghanische Bevölkerung seit mehr als 30 Jahren. Seit dem Sturz des Taliban...